Bäume fällen

Nachdem man nun einigermaßen ungehindert durch das Grundstück laufen kann, kommt langsam der spannendste Teil: Bäume fällen.blog_2015-10-28 11.56.29

Wie hab ich mich darauf gefreut. Vrääähhhhhm – Rums! Jaja, so einfach hätte es gehen können, wäre der Garten nicht so klein. Ich träume doch immer mal wieder von ein paar Hektar mehr…

Das Zauberwort heißt SKT (Seilunterstützte Baumklettertechnik), am Seil soll es nicht scheitern. Da ich normalerweise am Berg und nicht am Baum klettere und somit auch keine spezifische SKT-Ausrüstung besitze, war mein Vorgehen sicher etwas unkonventionell. Auch eine kleine Kettensäge fehlte leider. So habe ich in aller Gemütlichkeit die zwei Eschen Stück für Stück von oben herab mit der Hand zerlegt, wobei die Fiskars Xtract SW75 wunderbare Dienste leistete. Die schneidet so gut durchs frische Holz, dass sich für „ab und zu“ Anwender eine kleine Kettensäge gar nicht lohnen würde. Man sägt zwar bei den größeren Ästen und dem Stamm etwas länger, dafür wiegt das Teil auch fast nichts und eingefahren hängt es vollkommen gefahrlos am Gurt.

Immerhin konnte ich noch die gekürzten Stämme mit der Kettensäge zu Fall bringen.
Den einen Stamm wollte ich mit der Sicherheitsfälltechnik fällen, alles ordentlich ausgeführt, doch das Teil kippte nicht. Nicht nur dass Esche durch die langen Fasern schön fest ist, ein Laubbaum ohne Krone hat auch nicht mehr das nötige Gewicht um die Bruchleiste zu brechen – hätte man sich überlegen können.

blog_2015-10-28 12.12.56
Die zweite Esche, ein Rückhänger, sollte nicht auf Nachbars Schuppen stürzen. Ein Fehlversuch wäre ein denkbar schlechter Anfang einer Nachbarschaft geworden. Um dies sicher zu vermeiden wurde nicht nur die Krone beim kappen mit Seil gesichert und sanft zu Boden gelassen, sondern auch er verbleibende Stamm wie ein Flitzebogen gespannt, damit er ja in die richtige Richtung fällt. Bei der Flaschenzugkonstruktion hatte er nicht mehr viel Wahlfreiheit.
blog_2015-10-29 14.40.00

blog_2015-10-29 15.34.50
Meine neue Kettensäge (Stihl MS 261) ist eine wahre Freude und zerlegt die Stämmchen spielend leicht.

Auf mein Augenmaß vertrauend wollte ich nun wenigstens die Ahorne ordentlich fällen, zwei ineinander stehende Vorhänger. Sie müssten schräg zu liegen kommen ohne Nachbars Zaun zu erwischen und sie müssten genau zwischen Apfelbaum und Holunderbaum fallen um keinen Schaden anzurichten und beide Bäume nur zu streifen.blog_2015-10-28 13.34.05

blog_2015-10-28 13.37.26

Beide Ahorne sind akkurat in die Lücke gefallen. Ein erhabenes Gefühl.blog_2015-10-28 14.02.18

blog_2015-10-28 14.02.28

Der Rest an Baumwerk ist nicht der Rede wert, es war von vorn herein lächerlich die Dinger als Baum zu kategorisieren und eine Fellgenehmigung einzuholen.

Nur der tote (Birn?)Baum, welcher nichts besseres zu tun hatte, als gefährlich lavede über Nachbars Schuppen zu hängen,  machte mir einige Sorgen. Auf dem Schuppen stehend gelang es mit der Teleskop-Säge Stück für Stück abzusägen, pingelig darauf zu achten, nicht die Resonanzschwingung dieser Baumruine zu erwischen.blog_2015-10-27 15.24.48Jetzt steht nur noch ein Stück ungefährlicher Stamm, für den „Baum“ hatten wir ja keine Fällgenehmigung.

In diesen Tagen verlor auch die Robinie am Eingang den einen oder anderen Ast, soweit man mit der Teleskopsäge hinauf kam. Sieht jetzt bisschen wie eine afrikanische Akazie aus. Die Nachbarin hätte ihn am liebsten ganz um gesägt. Im Übrigen sind eigentlich alle Nachbarn, mit denen wir ins Gespräch kamen, sehr für radikales weg sägen. Regelmäßig wurde mitleidig die Suggestivfrage gestellt, ob man doch für diesen Apfelbaum keine Fällgenehmigung bekommen könne – man müssen ihn eingehen lassen, vergiften, Stück für Stück verschwinden lassen, usw. – was haben die alle gegen unseren wunderschönen Apfelbaum? Ok, er ist nicht mehr der Jüngste, aber ich freue mich über jedes Jahr, dass er uns erhalten bleibt. Im übrigen hoffe ich, dass er sich gut erholen kann, wenn keine Esche mehr durch seine Krone wächst.