Als Arthur noch klein war, sind wir zwei wöchentlich mit der 63 von Zuhause zur Krabbelgruppe nach Strehlen gefahren und kamen dabei immer durch Altmockritz mit seinem Bachlauf und den Pferden. Die Pferde wurden immer von Arthur bestaunt und wenn sie nicht da waren, war das Grund zur Klage. Ab dort schauten wir verträumt aus dem Fenster und jedes Mal fand ich, es wäre schön hier zu wohnen. Ich suchte nach einem „zu verkaufen“ Schild…
Später ging ich gelegentlich zu einer Heilprakterin, die in Mockritz praktiziert und bei einem kleinen Spaziergang zur 63er Haltestelle kamen wir an einem wilden Grundstück vorbei: zu verkaufen! Mein Herz machte einen Sprung, doch ich zückte weder Bleistift und Papier noch Handy, um mir eine „Notiz“ mit einer Telefonnummer zu machen.
Als ich dann ein paar Wochen später gezielt auf der Gostritzer Straße nachsuchte, fand ich nichts mehr. Das konnte doch nicht sein, hatte sich das Grundstück in Luft aufgelöst – oder war ich zu spät und alles schon verkauft??
Ich vergaß das Ganze. Wir hatten ein anderes Grundstück im Visier, wir bekamen Zuwachs und Arthur kam in den Kindergarten, so dass ich kaum noch durch Mockritz kam. Eines Tages jedoch spazierte ich wieder auf der Gostritzer Straße – und – zu verkaufen! Welch ein Wunder, das war doch das zugewucherte Grundstück mit Bach von damals! Gleich machte ich ein Foto, rief den Makler an und machte einen Termin mit ihm aus. Wir trafen uns und er warnte, nicht zu euphorisch zu sein, es hätte schon viele Interessenten gegeben. Das Umwelt- und das Stadtplanungsamt hätten viele Auflagen vor allem bezüglich des Baches. Ich erzählte Jakob alles und wir guckten uns das Grundstück immer wieder an, es war Anfang März und ganz schön vernachlässigt. Doch es gefiel uns ohne wenn und aber. Also machte ich mich an die Arbeit, rief die Ämter an, versuchte mich schlau zu machen. Um konkreter zu werden, setzte ich mich mit einem Architekten in Verbindung, zu dem wir aus einem vergangenen Projekt schon Vertrauen hatten. Er nahm sich unseres Problems an und klärte alle wichtigen Fragen mit den Ämtern. Ja, man darf da bauen, ABER nur auf Stelzen in Abstand zum Bach und das Grundstück darf nicht angeschüttet werden. Achso, na, das fanden wir gerade reizvoll. Also verfolgten wir weiter das Ziel, dieses Grundstück zu kaufen. Ich holte meine Eltern mit ins Boot und wir machten an einem herrlichen Frühlingstag einen wunderschönen Spaziergang durch die Kirschblüte. Meine Eltern hatten zwar Bedenken wegen der HQ 10- 25 und weil das Grundstück der Stadt weiter als Retentionsfläche zu Verfügung stehen bleiben müsse.
Dennoch gaben sie grünes Licht und signalisierten den Kauf zu finanzieren.
Wieder und wieder telefonierte ich mit dem Makler, doch es zog sich hin. Es gab mehr Erben als erwartet, alle mussten zu dem Verkauf befragt werden und ihr Einverständnis geben. Endlich Ende Juli radelte ich zum Notar, traf einige der Verkäufer, die hier noch in der Region wohnen und nachdem wir den ganzen Vertrag vorgelesen bekommen hatten und belehrt worden waren, unterzeichneten wir den Vertrag. Hui, beschwingt radelte ich unseren Berg wieder hoch und freute mich, bald, wäre das Grundstück meins – unser.
Wir machten Fotos und legten eine Karte an, um eine Genehmigung zu bekommen, einige störende Bäume zu fällen und den Garten schöner zu machen. Die Genehmigung kam und wir fingen mit unseren Arbeiten an. Stück für Stück legten wir die Obstbäume frei, sammelten Äpfel (ich kochte Zuhause daraus leckeres Apfelmus oder ich backte Kuchen), Jakob ließ die Kettensäge nach seinem Examen brummen, ich pflanzte Erdbeeren… sprich, wir machten uns den Garten zu eigen. Es kam zu vielen Gesprächen mit den Nachbarn und wir erfuhren einiges über die Geschichte des Gartens. Doch ans Bezahlen ging es immer noch nicht. Erst der Nikolaus brachte die gewünschte Post mit der Zahlungsaufforderung. Alle Verkäufer, Makler, Notar und alle Ämter sind inzwischen bezahlt, doch mein Grundbucheintrag lässt noch auf sich warten. Über ein Jahr nachdem ich „mein“ Grundstück wiedergefunden habe, planen wir konkreter mit Schwagers Hilfe an unserem Haus. Arthur liebt das Grundstück, doch Olivia mag es noch nicht so richtig. Sie stolpert über den unebenen Boden, rutscht im Matsch aus und bleibt lieber mit der Nase im Dreck liegen, als sich die Hände beim Aufstehen schmutzig zu machen. Wir haben dort immer alle Hände voll zu tun und sie findet nur schwer ins Spiel, doch manchmal findet auch sie eine Arbeit und gräbt mit oder bäckt uns Kuchen. Sie wird es dort auch bald mögen, spätestens, wenn es warm wird und wir im Bach planschen können.