Lohnt sich ein Batteriespeicher für unsere Solaranlage? Diese Frage wird allgemein auf und ab diskutiert, es gibt Freund und Feind des Batteriespeichers und jede Menge Autoren, die es vorrechnen. Trotzdem scheint es mir schwierig.
Ich las neulich von dem neuen Miet-Angebot eines Speichers bei Naturstrom. Klingt interessant, man hätte erst mal keine Investitionskosten. Der Rechner spuckt aus:
Eine Speicherkapazität 9 kWh erhöht Ihren Eigenverbrauch um 2.090 kWh und macht Sie zu 78% unabhängig.
Inkl. Installation, Wartung und Funktionsgarantie nur 108,16 € pro Monat.
Angeblich soll jede zweite neuinstallierte Solaranlage mit Speicher ausgestattet sein. Irgendwie sollte es also abbildbar sein.
Leasing ist nicht immer schlecht, also schauen wir uns das mal an:
Ein 9-10 kWh Speicher kostet mich ca. 8500 €. So würde ich bei dem Mietmodell nach ca. 79 Monatsraten / 6,5 Jahren beim Kaufpreis sein.
Die Hersteller geben 10 Jahre Garantie (mit Leistungsverlusten usw, aber das soll nicht Thema sein). Nehmen wir also die 10 Jahre als Laufzeit an, würde ich mit der Miete ca. 4.500 € mehr bezahlen. Das scheint mir ganz schön viel, wir haben immernoch Nullzinsphase und das bisschen Wartung und Ausfallrisiko (neben der Garantie) kann eigentlich nicht die Hälfte des Neupreises ausmachen.
Naja, vielleicht ist ja nur die Mietoption schlecht, obwohl die sich ja sicher auch irgendwie überlegt haben müssten, wie man das Angebot konkurrenzfähig macht.
Gehen wir von der Kauf-Option aus. 8500 € Cash, 10 Jahre Laufzeit macht 70 € pro Monat.
Lohnt sich das?
Jetzt könnte kompliziertere Rechnungen über prognonstizierte Vollzyklen und Kosten pro gespeicherter Kilowattstunde folgen…
die Kurzversion lautet:
- Strompreis mit leichter Steigerung in den nächsten Jahren vereinfacht auf 0,30 € angesetzt – wird nicht um Dimensionen falsch liegen.
- Für 70 € bekomme ich 233 kWh Strom
- Der Akku kann 9 kWh speichern. Würde man die Kapazität jeden Tag voll ausnutzen, könnte man im Monat 9*30 = 270 kWh speichern und somit als Netzbezug sparen.
Die eingesparten kWh wären 81 € Wert – da hätte man 11 € Gewinn/Ersparnis pro Monat. - Es entfällt die Netzeinspeisung, nehmen wir pessimistisch 0,10 € pro kWh an, verzichten wir auf 27 € pro Monat um 11 € zu „sparen“ – Ein Verlust von 16€ pro Monat.
Jetzt musste ich schon wieder ein paar hypothetische Zukunftsannahmen machen, ganz ohne geht es nicht.
- Bei einem Speicher geht man aber nur von 200 Vollzyklen pro Jahr aus (nicht 360, zumindest wenn es um die Haltbarkeit der Speicher geht).
Damit könnte man maximal 200 * 9 kWh / 12 Monate = 150 kWh * 0,30 € = 45 € sparen.
Würde ich einen Speicher kaufen, mache ich pro Monat zwischen 16 € und 45 € Verlust, falls der speicher optimal ausgelastet wird.
Damit sich das Mietangebot für 108 € pro Monat lohnt, müsste ich in einem Monat für 108 € Strom sparen – das kann der Speicher aber selbst unter den besten Voraussetzungen gar nicht leisten (der Netzstrom müsste über 0,40 €/kWh kosten, falls mein PV-Strom kostenlos liefert).
Wie habe die sich das gedacht?
Wahrscheinlich gar nicht, denn eigentlich rechnen die einem das Dilemma ja schon aus: „erhöht Ihren Eigenverbrauch um 2.090 kWh“ (Vermutlich beziehen sie die 2090 kWh auf ein Jahr)
2090 kWh * 0,30 € = 627 € entspricht 5,5 und nicht über 12 Monatsraten.
Ich kann mir schwer vorstellen, dass hier jemand auf die „schwarze Null“ kommt, nur weil er komplexere Annahmen, Prognosen und Vergleichwerte herzu zieht.
Es sollen inzwischen um die 75.000 Heimspeicher installiert worden sein… haben die alle keinen Taschenrechner? Oder sind es Überzeugungstäter?
Ich wäre ja auch gern Überzeugungstäter und würde die Sache riskieren, wenn eine schwarze Null zumindest im, wenn auch risikobehafteten, Bereich des Möglichen liegen würde.
Denn, ein Speicher würde schon Sinn machen:

Die 8 kWh Netzbezug hätte man sich schön sparen könne, kosten allerdings auch „nur“ rund 2,20 €.
Die Speicher müssten 20 Jahre lang halten (Zwangsoptimismus) oder die Hälfte kosten, so sehe ich leider noch keine Chance. Vielleicht erklärt mir ja mal jemand, wie man sich den speicher „schön“ rechnet.